Programm
4. Juni 2027, FHNW Campus Muttenz
| 08.45 | Eintreffen |
| 09.15 | Begrüssung der Veranstalter*innen Dr. Clarissa Schär, Institut Kinder- und Jugendhilfe, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW Einführung Dr. Clarissa Schär, Institut Kinder- und Jugendhilfe, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW |
| 09.30 | Hilfe, die ankommt, entsteht nicht von selbst: Mitwirkungsfähigkeit und -bereitschaft als professionelle Gestaltungsaufgabe im Kindesschutz Prof. Dr. Kay Biesel, Institut Kinder- und Jugendhilfe, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW |
| 10.30 | Pause |
| 11.00 | Drei parallele Vorträge: Was Eltern wirklich hilft: Anforderungen an Unterstützungsangebote zur «Erziehung ohne Gewalt» Prof. Dr. Anna-Maria Colombo, Hochschule für Soziale Arbeit HETS Freiburg Dr. Clarissa Schär, Institut Kinder- und Jugendhilfe, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW Von der Drehtüre zur Selbstbestimmung: Handlungsfähigkeit in der Elternschaft von Care Leavern Dominik Bodmer, MA, Institut Kinder- und Jugendhilfe, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW Jana Osswald, MA, Institut Kinder- und Jugendhilfe, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW Kinder inhaftierter Eltern. Erfahrungen von Ko-Bestrafung und Bedarfe Dr. Samuel Keller, Institut für Kindheit, Jugend und Familie, ZHAW Soziale Arbeit |
| 12.15 | Stehlunch |
| 13.15 | Nachmittags-Workshops |
| 14.45 | Pause |
| 15.15 | Einvernehmlicher Kindesschutz: Schlagwort oder Schlüssel zur Hilfe, die ankommt? Abschlussimpuls Dr. Lukas Fellmann, Institut Kinder- und Jugendhilfe, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW Fachgespräch Franziska Gengenbach, Amt für Kind, Jugend und Behindertenangebote Basel-Landschaft Tim Mundhenk, Kantonales Jugendamt Bern Moderation Prof. Dr. Kay Biesel, Institut Kinder- und Jugendhilfe, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW |
| 16.15 | Ausblick und Schluss Dr. Brigitte Müller, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW |
Vorträge
Prof.’in Dr. Annamaria Colombo, Hochschule für Soziale Arbeit Freiburg
Dr. Clarissa Schär, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW
Angesichts der Verankerung der Erziehung ohne Gewalt im ZGB letztes Jahr wird in diesem Vortrag die Perspektive von Eltern auf entsprechende Unterstützungsangebote untersucht. Basierend auf einer qualitativen Interviewstudie im Auftrag des Bundesamts für Sozialversicherungen BSV, Kommission für Kinder und Jugendfragen (EKKJ) wurden Erfahrungen von Eltern sowie deren Erwartungen für nachhaltig wirksame Hilfe im Kontext von Erziehung ohne Gewalt analysiert. Die Ergebnisse bieten eine empirische Basis für die gesetzlich geforderte Weiterentwicklung einer adressatengerechten Praxis in den Kantonen.
Dominik Bodmer, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW
Jana Osswald, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW
Prof.’in Dr. Angela Rein, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW
Elternschaft von Care Leavern ist im deutschsprachigen Raum bislang kaum erforscht. Internationale Studien fokussieren vor allem auf Risiken wie die intergenerationale Wiederholung von Kindeswohlgefährdungen sowie den damit verbundenen «Drehtüreffekt» wiederholter Hilfen über Generationen hinweg.
In diesem Vortrag werden Bedingungen beleuchtet, die es Care Leavern ermöglichen, ihre Elternschaft wie auch ihre eigene Biografie handlungsfähig zu gestalten. Dabei werden Wechselwirkungen zwischen biografischen Erfahrungen, dem Hilfesystem und der Gestaltung von Elternschaft aufgezeigt. Grundlage sind Erkenntnisse aus dem laufenden SNF-Projekt «Care Leaver als Care Giver – Biografische Perspektiven auf Doing Parenthood». Ziel des Vortrags ist es, gemeinsam zu diskutieren, wie das Hilfesystem Care Leaver in ihrer Elternrolle langfristig unterstützen kann.
Dr. Samuel Keller, ZHAW Soziale Arbeit
Angehörige inhaftierter Menschen leiden häufig unter den Folgen der Haft, obschon die Strafe nicht ihnen gelten darf. Auswirkungen können sich in psychischer Belastung, finanzieller Unsicherheit, sozialer Ausgrenzungen und Beschämung zeigen – besonders bei Kindern. Diese Anspruchsgruppe wurde in der Schweiz lange kaum beachtet, was angesichts ihres Schutzes und ihrer Rechte problematisch ist. Im Vortrag wird anhand der Studie der ZHAW gezeigt: Kinder brauchen ab der Verhaftung eine Vertretung ihrer Interessen, angepasste Bedingungen für Kontaktpflege sowie niederschwellige Informationen, Beratung und Begleitung – auch im Alltag. Das sind Ansprüche, denen man interdisziplinär und partizipativ begegnen muss.
Workshops
Monique Brunner, Kinderschutz Schweiz, Bern
Der Workshop setzt sich mit aktuellen erzieherischen Herausforderungen auseinander und ordnet diese vor dem Hintergrund der gesetzlichen Verankerung der gewaltfreien Erziehung ein. Die Qualitätsstandards zur gewaltfreien Erziehung für Fachpersonen dienen dabei als Orientierungsrahmen für fachlich klares, respektvolles und kindeswohlorientiertes Handeln. Die Teilnehmenden erhalten Einblick in ausgewählte Ansätze, Materialien und Angebote zur Umsetzung gewaltfreier Erziehung in unterschiedlichen Praxisfeldern. Sie vertiefen ihr Wissen zu psychischer Gewalt, stärken ihre Kompetenzen in der gezielten Ansprache von Eltern und reflektieren ihre professionelle Rolle in anspruchsvollen Elterngesprächen.
Claudia Morselli, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW
Dr. Patrick Fassbind, Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde KESB, Basel-Stadt
Eltern, die trotz psychosozialer und juristischer Hilfe über einen längeren Zeitraum hinweg nicht in der Lage sind, die Elternrolle den Kinderbedürfnissen entsprechend zu gestalten, fordern uns heraus. Der Workshop sensibilisiert dafür, wie bedeutungsvoll das Konfliktniveau bzw. die Unterscheidung zwischen Elternstreit, kindschutzrelevantem und hochstrittigem Elternkonflikt für Haltung und Methodenwahl sowie für die Anordnungspraxis von KESB und Gerichten ist. Es wird ein Umdenken postuliert, das konsequent auf Elternverantwortung, Kindzentrierung und fallunabhängige Zusammenarbeit zwischen den involvierten Fachpersonen setzt. Ziel ist es, Sie im Umgang mit hochstrittigen Eltern zu stärken.
Livia Voneschen, M.Sc., Universitäre Psychiatrische Kliniken UPK Basel
Andreas Ritter, Zentrum für Sozialpädagogik und Psychotherapie ZSP Basel
Der Workshop gibt praxisnahe Einblicke in die Multisystemische Therapie (MST) im Kinderschutz. Im Fokus stehen Kinder, Jugendliche und Familien mit komplexen Problemlagen wie Vernachlässigung, Gewalt oder massiven Verhaltensauffälligkeiten, bei denen Standardangebote oft nicht greifen. Anhand eines konkreten Fallbeispiels wird gezeigt, wie nachhaltige Veränderung gelingen kann – insbesondere durch intensive Elternarbeit, systemisches Verstehen und gezielte Interventionen. Teilnehmende lernen, wie Beteiligung von Eltern und Kindern gestärkt werden kann, wo Grenzen liegen und welche Ansätze sich in der Praxis bewähren.
Nadine Jositsch und Afra Burghoff, Mobile Intervention bei Jugendkrisen, Amt für Jugend und Berufsberatung, Zürich
Schulabsentismus bringt oft unterschiedliche – und manchmal widersprüchliche – Erwartungen von Jugendlichen, Eltern, Schule und Fachpersonen mit sich. Anhand eines praxisnahen Fallbeispiels beleuchten wir die verschiedenen Aufträge und erarbeiten Möglichkeiten, ambivalente Situationen professionell zu begleiten. Dabei entwickeln wir konkrete Minimax-Ideen: kleine, realistisch umsetzbare Schritte mit möglichst grosser Wirkung. Ergänzend werden hilfreiche Dos & Don’ts für anspruchsvolle Beratungssituationen zusammengestellt.
Béatrice Schmid, HotA Hometreatment Aargau
Dieser Workshop bezieht sich auf die aufsuchende Arbeit mit Familien, in denen psychische Belastungen der Eltern eine wesentliche Rolle im Alltag spielen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie ressourcenorientierte und nachhaltige Unterstützungsprozesse gestaltet werden können, die sowohl den Schutz- als auch die Entwicklungsbedürfnisse von Kindern berücksichtigen und gleichzeitig die Eltern in ihrer Rolle stärken.
In diesem Workshop werden praxisrelevante Erkenntnisse für die berufliche Tätigkeit mit Fokus auf den Kindesschutz vermittelt, um Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit solchen Familiensystemen zu erweitern. Gemeinsam werden Erfahrungen, Herausforderungen und Grenzen im beruflichen Alltag reflektiert.
Judith Marx und N.N., Kinder- und Jugenddienst Basel-Stadt
Tagungsmoderation
Dr. phil. Clarissa Schär, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Institut Kinder- und Jugendhilfe, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW